Trauer

Ich weiss nicht, immer wieder begegnen mir sehr besondere Menschen mit Schicksalen, die oft sprachlos machen. Immer wieder kommen gerade diese Menschen mir besonders nahe und ich fühle mich mit ihnen verbunden. Wir erleben wundervolle Zeiten, Momente, Austausch, Begleitung, Aufbau. Und dann …

Gehen diese Menschen von einem Moment auf den anderen. Diesmal eine junge Frau, die ich so sehr ins Herz geschlossen habe, dass mein Herz nun beinah nicht mehr schlagen will.

Und ich bin auch irgendwie wütend.

Sie könnte noch leben. Eine junge Mutter, die alles für ihr Kind tat, was sie konnte und oft zu wenig für sich hatte, sogar zu wenig an Lebensmitteln. Ich tat was ich konnte, aber meine Mittel sind zur Zeit auch begrenzt. Ich war im Oktober bei ihr und ich wollte am 7. Januar wieder zu ihr hin. Ganz in den Norden von Deutschland. Ich hätte ihr auch wieder einiges mitgebracht für sie und ihre kleine Tochter. Ich habe sie so unendlich lieb.

Sie hatte Diabetes seit der Kindheit, sie hatte ein sehr schweres Leben bisher und hat aber ihr Bestes gegeben. Es war oft nicht einfach, auch mit ihren Ängsten, aber sie tat, was sie konnte. Und diese Tage nur eine kleine Grippe. Ich fürchte, die Grippe, ihre Diabetes und das zu wenig essen haben zusammengespielt oder auch ihre Traurigkeit, der ganze Stress immer, der ganze Kampf immer. Ein liebenswerter wertvoller Mensch mit einen guten Herzen und trotz ihrer eigenen miesen Lage immer offenem Ohr für andere. Am 15. morgens lag sie tot in ihrem Bett. Eine gemeinsam Freundin fand sie. Nachdem sie, genau wie ich kein Zeichen von ihr bekommen hatte, nachdem sie wie ich nicht zu ihr durchkam mit nichts, ging sie hin, mit ihrem Mann, läutete und klopfte Sturm. Die kleine Tochter öffnete. Claudia fragte sie, wo die Mama ist. Sie meinte, im Schlafzimmer und schläft noch. Claudia ging hin und fand sie tot da liegen.

Ich kann es noch nicht fassen, dass sie nicht mehr da ist. Es tut so weh.

Sie war so etwas wie meine Tochter geworden. Ich kann es noch immer nicht glauben, dass sie nicht mehr da ist. Essen kann ich noch gar nichts und es ist so, dass ich nur so vor mich hin wandle. Es ist, als hätte man etwas aus meinem Körper gerissen. Alles tut mir weh. Ich habe sie so sehr lieb gehabt. Sie wollte doch leben, sie kämpfte immer so viel und war doch so stark. Ihre Wärme war so etwas Schönes in der Kälte die manchmal herrscht.

Ja für Lenchen, ihre Kleine, wird gesorgt. Aber sie wird eine Riesenlücke spüren, auch wenn sie jetzt noch klein ist. Sie ist sehr weit für ihr Alter und registriert alles. Und sie fühlte sich trotz aller Widrigkeiten bei ihrer Mama geborgen und sicher. Es war der einzige Ort, wo sie sich so fühlte. Eine so gute Mama war sie. Und wie oft meinte sie, sie sei eine schlechte Mama, weil sie ihrem Kind nicht so viel bieten konnte. Ich sagte zu ihr dann: Du gibst ihr Liebe und Wärme, du bist für sie da. Das merkt sie. Du tust, was du kannst mit deinen Mitteln. Du kümmerst dich, lässt sie nicht im Stich. Und so war das. So war meine liebe Inga. Und nun? Es tut so weh. Dieser Schmerz ist kaum erträglich. Ich kann es nicht anders sagen.

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Ein Gedanke zu „Trauer“

  1. Ach Esther, wenn ich dich doch nur irgendwie trösten könnte. Aber ich weiß welche Lücken Menschen hinterlassen wenn sie gehen und die ist mit nichts zu füllen…

    Ich knuddel dich ganz lieb und fest.

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